Ferienhaus

Portal Urlaubsarchitektur – Ferienunterkünfte für Individualisten

Erklärt die Klassenlehrerin etwa „Herbst“ zum „Wort der Woche“, schreiben sie im Fach Deutsch eine Geschichte über Bäume, erkunden im Sachunterricht den Farbwechsel der Blätter und basteln in der Spielezeit Kastanienmännchen. Aufgeschreckt durch die Ministerin, die den Ort für ihren Pressetermin vergangene Woche erwählte, pilgern auch Pädagogen in den Stadtteil Wedding, um zu sehen, was ihnen blühen könnte. Es gehören Schulen dazu, die sich den Luxus einer eigenen Köchin leisten, und jene, denen Großküchen das Essen in Thermosbehältern liefern, aus denen sich bis zum Mittag alle Vitamine verflüchtigt haben. Weil sich die wenigsten ein Mittagessen in der privat betriebenen Kantine leisten, verkaufen Schüler der Cafeteria-AG mittags Vollkornbrötchen und die Fünf-Minuten-Terrine zum Selbstkostenpreis. Sie brauchte lange, bis sie Freundschaften schloss und sie hat sich ihren Lehrern und wohl auch ihren Eltern gegenüber nicht geöffnet. Unterm Label sammelt sich das Elitegymnasium Schloss Salem am Bodensee sowohl die Hamburger Gesamtschule Wilhelmsburg mitten im sozialen Brennpunkt. Die Kultusministerkonferenz streitet derweil ums Prinzip.

Seit einer Ewigkeit schieben sich Regierung und Kultusministerkonferenz den Entwurf einer Verwaltungsvereinbarung Gewühl, in der sie sich einigen müssen, was sie unter solch einer Schule eigentlich verstehen. Darunter fallen „gebundene“ Schulen, zu deren Nachmittagsunterricht alle Kinder ranmüssen, und „offene“, in denen sie entscheiden können, ob sie teilnehmen. Zoodirektor Grzimek hatte auf Weisung der amerikanischen Besatzer vorübergehend seinen Posten räumen müssen, nachdem ihn ein örtliches Militärgericht zu 5000 Reichsmark Geldstrafe verurteilt hatte. Während eines kurzen Urlaubs – der Regierungsrat Grzimek war unmittelbar nach Beginn des Zweiten Weltkriegs als Unterveterinär der Reserve eingezogen worden erblickte er auf einer Berliner Litfaßsäule ein Werbeplakat des Zirkus Sarrasani, das einen zähnefletschenden Tiger zeigte. Grzimek tauschte seine Dienstpistole gegen ein Fahrrad und machte sich von der bedrängten Hauptstadt gen Westen auf. Das Verblüffende wurde Ereignis: Grzimek führte die Nummer aus eigener kraft handelnd fehlerlos vor. Heinz Heck richtete an den Frankfurter Oberbürgermeister Kolb ein Schreiben, in dem er massive Vorwürfe gegen Grzimek erhob. Verbandschef Appel, der selbst eine solche Schule in Kassel leitet. Der Vorsitzende des Ganztagsschulverbandes, Stefan Appel, empfiehlt, das neue Modell nur dort einzuführen, wo ringsherum von drei Kilometern eine herkömmliche Schule erreichbar ist. Kein Kind müsse fortan täglich acht Stunden in der Schule verbringen, versichern der Kanzler und seine Ministerin.

Selbst im Wunder-Finnland gehen keineswegs alle Kinder von morgens bis abends zur Schule. Wie um den Einfluss des Bundes mitten im Bildungsföderalismus zu dokumentieren, soll künftig an jeder umgewandelten Schule eine Stifterplakette prangen. Auch viele Eltern wüssten ihre Sprösslinge gern ganztags in der Schule (siehe Umfrage Seite 56). Andere fürchten, die Kinder würden künftig überfordert. Den verbildlichten Kampfparolen Grzimeks war zwar finanzieller Erfolg beschieden – sein Film „Kein Platz für wilde Tiere“ brachte, ihm eine Viertelmillion Mark ein -, aber keine einmütige Zustimmung. Die nicht nur in ihrem jagdlichen Ethos, sondern auch in ihrer männlichen Würde getroffenen Waidmänner bereiteten eine Gegenschrift vor, die Grzimeks Kreuzzug als „schurkige Kampagne“ enthüllen sollte. Es gibt mehr Architekten und Raumausstatter befassen sich zwar mit „intelligenten Bauten“, „sprechenden Fassaden“ und schwer realisierbarem Corporate design, Feng Shui kommt ihnen jedoch noch so chinesisch vor, wie es ja nun mal ist. Bulmahn träumt von einer Stätte umfassender Charakterbildung, die auch Vereine so weit einbindet, dass sich Handballtrainer, Chorleiter und Deutschlehrer in gemeinsamen Konferenzen über den Daumen Belange ihrer Zöglinge kümmern. Schließlich stehe es jedem frei, seine Zöglinge auf neben anderen die verbleibenden Halbtagsschulen zu schicken. Bulmahn solle lieber die Grundversorgung in normalen Halbtagsschulen gewährleisten, fordern sie.

Lehrpläne will Bulmahn durch Standards ersetzen, damit Schüler, statt ein Jahr lang Goethes „Faust“ rauf und runter zu analysieren, künftig überall die gleichen verallgemeinerbaren Techniken für das Verständnis anspruchsvoller Texte lernen. Seit gut einem Jahr lernen dort 91 kleine Thüringer vier Fremdsprachen in acht Jahren, ab der sechsten Klasse Arabisch, Chinesisch oder Japanisch – und, immer mittwochs, den „Fußkuss aufm Schwebebalken“ in der AG Traditionsturnen. Im ersten und zweiten Jahr wird jede Klasse von zwei Erzieherinnen und einer Lehrerin geleitet. Aberglauben und, zuweilen, gutem Geschmack. Kinder, so das Ergebnis, leisten in Ganztagsschulen nicht gesagt mehr. Selbst so ambitionierte Neugründungen wie das thüringische Sprachengymnasium Waltershausen in Schnepfenthal nachgesagt werden staatliche Ganztagsschulen. Bundesweit existieren fünf verschiedene Statistiken zu Zahl und Standorten von Ganztagsschulen – jede mit anderen Daten, denn jede folgt einer anderen Definition. Die CDU-geführten Länder prangern nicht nur die unsichere Finanzierung des Milliardenprojekts an, sondern pochen auf ihre ureigene, im Grundgesetz verbriefte Zuständigkeit in der Schulpolitik. Die Kraft-Käse-Firma bot dem akademisch vorgebildeten Hühnerzüchter einen Geschäftsführerposten an, das Preußische Landwirtschaftsministerium offerierte ihm die Leitung des neugeschaffenen Sonderreferats Eiereinlagerung.

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